Laudatio Adelheid Widmann

Abteilungsleiterin Seniorenpastoral

Erzbischöfliches Ordinariat München

 

Es ist eine große Freude, in die Ausstellung  „Leben(s)wichtig – Glaube, Liebe, Hoffnung, Leibeswohl, Natur“ einführen zu dürfen.

 

Seit geraumer Zeit beschäftigt mich die Frage: was sag ich eigentlich heute Abend?

 

Eigentlich könnte es ganz kurz sein: die Bilder, die hier zu sehen sind, sprechen für sich! Und Sie haben die wunderbare Chance mit den Künstlern, den Hauptpersonen des heutigen Abends, ins Gespräch zu kommen – mit Domkapitular Reinhold Föckersperger und Wolfdietrich Hoeveler.

 

Nun ist mein Zeitbudget größer – und deshalb wird es eine Einführung geben, aber eine angemessen kurze!

 

Mit den beiden Künstlern stellen zwei Menschen mit unterschiedlicher Biografie ihre Werke aus:
Wolfdietrich Hoeveler, ehemaliger Offizier, Chefredakteur und Kommunikationsdirektor. 
Reinhold Föckersperger, Theologe, Pfarrer, Dekan und Domkapitular.

 

Wenn jetzt jemand fragt, wie da meine Profession, die Seniorenpastoral, dazu passt: Mein Metier sind Menschen mit Lebenserfahrung und Sie beide sind, auch wenn Sie sich erst langsam sich dem Seniorenalter annähern, Sie sind beide Menschen mit Lebenserfahrung.

 

Die Gemeinsamkeiten der beiden Künstler sind:

 

  • Sie lieben beide das Leben in seiner Fülle.

  • Sie haben ganz eigene Techniken entwickelt und arbeiten dabei innovativ und technikaffin.

  • Und Sie sind beide Sinnsucher. Sie fragen nach dem, was leben(s)wichtig ist.

 

Reinhold Föckersperger zeichnet seit Sommer 2016 am Smartphone – mit den wenigen dort zur Verfügung stehenden „Werkzeugen und Farben“ entstehen Bilder, die auf den ersten Blick sehr eindeutig und schnell verständlich erscheinen.

 

Auf den zweiten Blick beeindrucken der kühne Strich und die virtuosen Kompositionen. Wer Ihre Bilder chronologisch betrachtet, sieht, dass sie immer abstrakter werden. Mit wenigen Linien erzählen die Bilder Geschichten - sehr auf das Wesentliche reduziert. Filigran und leicht und doch immer mit dem sichern Gespür für den Kern des Seins und der Existenz.

 

Natürlich liegt bei einem Pfarrer nahe, nach dem Heiligen zu fragen – Sie haben gesagt, dass dies nicht gemalt werden kann. Und doch provozieren Ihre Bilder die Frage nach dem Darüberhinaus, dem „mehr“, dem Dahinter.

 

Wer vor Wolfdietrich Hoevelers Fotografiken steht, spürt die existentielle Wucht der Bilder. Die Bilder ziehen den Betrachter in ihren Bann und zwingen ihn, sich dazu zu verhalten.

 

Sie, Herr Hoeveler, sagen, dass Sie mit ihren Werke Ihre Gefühls- und Gedankenwelt ausdrücken. Die Frage und die Suche nach Sinn, nach Hoffnung, nach dem Ort und der Dimension des Behaustseins ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr Werk, aus dem hier ein kleiner Ausschnitt zu sehen ist. Ihre Bilder sprechen den Betrachter sofort und unmittelbar an. Die Bilder haben Tiefgründigkeit und Humor, sie bilden das Leben ab und stellen es doch immer wieder auf den Kopf.

 

Gestatten Sie mir, drei kurze Impressionen aus der Philosophie zur Ausstellung „Leben(s)wichtig – Glaube, Liebe, Hoffnung, Leibeswohl, Natur“:

 

*Seit Beginn ringt die Philosophie darum, wie wir Welt erkennen. Im Mittelalter wuchs die Überzeugung, dass die Wirklichkeit wahr ist durch unseren Verstand. Weil wir die Wirklichkeit erkennen, ist sie wahr. Was wir nicht erkennen ist nicht – es ist nicht für uns.

 

Die Wirklichkeit unserer Zeit, die uns alle umgibt, ist komplex und differenziert. In dieser Vielfalt der Themen und Angebote entgleitet uns immer wieder der Sinn des Lebens. Die Bilder dieser Ausstellung konfrontieren uns mit dem Leben und dem Wichtigen, mit dem Lebenswichtigen. Und sie fragen danach, ob wirklich wahrnehmen. Ob wir Glaube, Liebe, Hoffnung, Leibeswohl und Natur noch zu erkennen, zu spüren vermögen.

 

*Wenn wir die Wirklichkeit erkennen, wenn wir sie wirklich erkennen, dann erkennen wir nicht nur das Wahre sondern auch das Gute. Das liegt daran, dass unser Erkennen nicht neutral ist – wir begehren die Wirklichkeit und sind auf das Gute ausgerichtet – auch wenn wir oft genug scheitern.

 

Wirklichkeit ist also, modern gesprochen, nicht neutral. Auch die Bilder dieser Ausstellung entziehen sich jeglicher Neutralität. Sie sind subjektive Plädoyers für das Leben – jeweils aus Sicht dessen, der die Handybilder oder die Fotografiken geschaffen hat. Sie sind Plädoyers gegen Beliebigkeit, gegen Lebens- und Menschenverachtung. Sie sind Plädoyers für das Lebenswichtige – für Glaube, Liebe, Hoffnung – für Hoffnung, Leibeswohl, Natur.

 

*Die dritte und letzte Impression leite ich mit einer kurzen Geschichte ein:

 

Es wird erzählt, dass Picasso einen Gärtner hatte, der eines Tages sein Atelier aufsuchte und mit Interesse seine Gemälde betrachtete. Es entspann sich ungefähr folgender Dialog:

 

„Herr Picasso, darf ich Sie fragen, was das ist? – „Das ist ein Pferd wie ich es sehe.“

 

„ahm.. Und was ist das?“ – „Das ist eine Frau, wie ich sie sehe.“

 

Darf ich Sie fragen, Herr Picasso, wenn Sie so schlecht sehen, warum sind Sie dann Maler geworden?“

 

Differenz ist ein Schlüsselbegriff der Philosophie unserer Zeit, besonders der französischen Philosophie. Wir leben in einer Welt in der es mehr Vielfalt als Eindeutigkeit gibt. Wir müssen die Differenzen, die Vielfalt unserer Welt aushalten.

 

Das mag auch ein Impuls zur Betrachtung dieser Bilder sein:

 

Wolfdietrich Hoeveler und Reinhold Föckersperger malen je ihre eigene Wahrnehmung von Wirklichkeit und Welt. Wenn beide dasselbe Motiv künstlerisch umsetzen, wir es jeweils ganz anders aussehen. Die beiden Künstler fordern uns mit Ihren Bildern heraus, Welt neu zu betrachten und uns zu fragen, was uns inmitten der Vielfalt Lebenswichtig ist. Jeder von Ihnen bildet Welt so ab, wie er sie sieht.

 

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Thomas von Aquin, einem prägenden Theologen und Philosophen des Mittelalters: „Die Schönheit ist der Glanz des Wahren!“ Ihre Bilder beschäftigen sich mit der Realität, der Wahrheit unseres Lebens, schon allein deshalb glänzt Schönheit in diesen Bildern.

 

Adelheid Widmann, 9. Februar 2018

 

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